Bundesweite Aufklärungsaktion
Durchfall durch Antibiotika – Antibiotika-assoziierte Diarrhö (AAD)
Im Rahmen der Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten sind Antibiotika heute unersetzlich und aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken. Als Ergebnis jahrzehntelanger Forschung steht heute eine große Vielzahl hochwirksamer Arzneimittel zur Bekämpfung unterschiedlichster Bakterien zur Verfügung. Doch die Wissenschaft ist mit einer großen Herausforderung konfrontiert. Immer mehr Antibiotika verlieren ihre Wirkung gegen bestimmte Erreger.
Denn - viele Patientinnen und Patienten reduzieren die Dosierung oder brechen die Therapie zu früh ab, weil sie zu stark unter typischen Nebenwirkungen wie Durchfall oder Blähungen leiden. Dies mindert nicht nur die Wirksamkeit, sondern erhöht auch das Risiko gefährlicher Antibiotika-Resistenzen. Um die Verträglichkeit einer Antibiotikatherapie zu verbessern, wird deshalb in der Medizin immer häufiger empfohlen, die empfindliche Darmflora durch die begleitende Einnahme von Probiotika gezielt zu unterstützen.
© Alliance - Fotolia.com
Antibiotika: Wichtige Fakten
Offizielle Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland im Jahr 2025 rund 30 Millionen Antibiotika-Verordnungen für Patientinnen und Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung ausgestellt wurden. Da es sich hierbei um hochwirksame Medikamente handelt, müssen diese immer ärztlich verschrieben werden. Hierbei wird zwischen verschiedenen Wirkstoffen unterschieden. Die Einnahmedauer variiert von 3 Tagen bis hin zu 14 Tagen und länger. Der Leitsatz für die Anwendung von Antibiotikatherapien lautet: So selten wie möglich aber so oft wie nötig. Nämlich immer dann, wenn eine Infektion nicht von Viren oder Pilzen ausgelöst wurde, sondern von Bakterien.
Nebenwirkungen: Nicht immer vermeidbar
Bakterielle Infektionen sind nicht nur belastend, sondern führen mitunter zu schweren Erkrankungen. Antibiotika sollten deshalb grundsätzlich solange - und in der entsprechenden Dosierung - eingenommen werden, wie von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten verordnet. Die Befolgung der Einnahmehinweise ist dabei besonders wichtig.
Aber oftmals leiden viele Patientinnen und Patienten unter Nebenwirkungen oder machen sich Sorgen über mögliche unerwünschte Folgen einer Antibiotikatherapie. Dies betrifft auch nicht selten Eltern, die um die Gesundheit ihrer Kinder besorgt sind.
Die Folge: Viele Betroffene reduzieren die tägliche Dosis oder brechen die Behandlung vorzeitig ab, ohne dies mit ihrer Ärztin und ihrem Arzt vorher zu besprechen. Nicht nur der Erfolg der Therapie wird dadurch gefährdet (weil möglicherweise nicht alle krankmachenden Bakterien bekämpft werden). Auch das Risiko für die Bildung von Resistenzen nimmt zu – Antibiotika verlieren ihre Wirkung. Vor dieser Gefahr wird auch immer häufiger von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gewarnt. Dabei wird darauf hingewiesen, dass in Zukunft nicht mehr erfolgreich behandelbare Infektionen - und damit auch einhergehende schwerwiegende Folgeerkrankungen - deutlich zunehmen könnten.
Gar nicht selten: Antibiotika-assoziierte Diarrhö
Als besonders unangenehm werden Unverträglichkeiten in Magen und Darm empfunden. Typisch sind Durchfälle, die bei bis zu 50 Prozent der behandelten Patientinnen und Patienten auftreten. In der Medizin wird dieses Symptom als Antibiotika-assoziierte Diarrhö - kurz AAD - bezeichnet. Auch Begleitbeschwerden wie Übelkeit, Appetitlosigkeit und Blähungen sind möglich. Häufig machen sich diese Nebenwirkungen schon wenige Stunden nach der ersten Einnahme bemerkbar - manchmal aber auch erst mehrere Wochen nach Beendigung der Therapie.
Doch wie kommt es dazu? Verursacht werden diese sogenannten gastrointestinalen Beschwerden entweder durch einen direkten Effekt der Antibiotika auf den Verdauungstrakt oder - und dies ist eine der Hauptursachen - durch eine Störung der Darmflora (auch Mikrobiom genannt). Denn die Therapie greift nicht nur die schädlichen Erreger, sondern auch die für die Gesundheit unverzichtbaren guten und natürlichen Darmbakterien an. Dies insbesondere bei der Anwendung von Breitbandantibiotika, die gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Keime wirksam sind.
© M. Schuppich - Fotolia.com
Eine besondere Komplikation: Krankenhausinfektionen
Immer wieder wird in den Nachrichten über mitunter schwerwiegende Infektionen in Krankenhäusern berichtet. Hierbei handelt es meist um gefährliche Bakterien, die gegen viele Antibiotika mittlerweile resistent sind. Ein Risiko für eine solche Krankenhausinfektion (der Fachbegriff hierfür lautet nosokomiale Infektion) besteht insbesondere dann, wenn die körpereigene Mikroflora bereits infolge einer antibiotischen Behandlung geschädigt ist.
Ganz besonders von Ärztinnen und Ärzten in Kliniken ist die Besiedlung des Darms mit Clostridioides difficile gefürchtet. Dieses Bakterium wird auch als Krankenhauskeim bezeichnet. Es scheidet Giftstoffe aus, die die Darmzellen schädigen und zu einer teilweise erheblichen Verstärkung des Durchfalls führen können. Eine Pseudo-Colitis kann entstehen, die mit wässrigen Durchfällen einhergeht. Diese sind oftmals zusätzlich mit Schleim und Blut durchsetzt. Medizin und Wissenschaft gehen davon aus, dass eine Clostridioides-difficile-Infektion sogar das Sterberisiko von Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern verdoppeln kann.
Was bei der Behandlung von Durchfall wichtig ist
Durchfall sollte grundsätzlich schnell und gezielt behandelt werden. Andernfalls drohen mitunter deutliche Verluste an Elektrolyten und Flüssigkeit. Allerdings sind bei der Behandlung von AAD einige Besonderheiten zu beachten:
Antibiotika-assoziierter Durchfall sollte nicht mit solchen Mitteln behandelt werden, die die natürliche Darmbewegung hemmen. Denn durch diese sogenannten Motilitätshemmer wird die ordnungsgemäße Entleerung des Darms unterdrückt. Krankmachende Bakterien und Giftstoffe verbleiben im Darm und können die Beschwerden verstärken.
Wer unter Durchfall leidet, sollte den Verlust von Wasser und Mineralstoffen unbedingt ausgleichen. Geeignet sind zum Beispiel entsprechende Elektrolytlösungen aus der Apotheke.
Probiotika zum Schutz der empfindlichen Darmflora
Bei der Vorbeugung und Behandlung von Durchfällen im Rahmen einer Antibiotikatherapie gelten speziell dafür entwickelte Probiotika als besonders effektiv. Durch den gezielten Einsatz - und dies wird durch zahlreiche Studien belegt - können nützliche Bakterien wieder im Darm angesiedelt und Beschwerden wie Durchfall oder Infektionen verringert werden. Insbesondere durch die Einnahme von Probiotika mit mehreren, optimal aufeinander abgestimmten Bakterienstämmen, die auf das jeweilige Beschwerdebild ausgerichtet sind, konnte das Risiko für die Antibiotika-assoziierte Diarrhö von etwa 25 bis 50% auf unter 1% reduziert werden.
Nach aktuellem medizinischen Stand entfalten Probiotika die größte Wirksamkeit, wenn ihre Einnahme zeitgleich mit dem Beginn - also ab dem ersten Tag - der Antibiotikatherapie startet und noch bis ungefähr zwei Wochen nach Therapieende fortgeführt wird. Empfehlenswert sind dabei Präparate, die lebensfähige Bakterien enthalten. Entscheidend ist außerdem, dass es dabei um sogenannte humane Bakterien handelt - also solche, die natürlich im menschlichen Darm vorkommen. Hefen und tierische Keime hingegen zählen nicht zu den natürlichen Mikroorganismen im Menschen. Zudem sollte durch die Herstellungsverfahren sichergestellt sein, dass die zugeführten Bakterien während der Einnahme gegen die Magensäure geschützt sind, damit sie den Verdauungstrakt sicher und unbeschadet passieren und sich gezielt im Darm ansiedeln und wirken können.
Um eine optimale Wirksamkeit von Probiotika zu erzielen, empfehlen Fachkreise immer häufiger speziell entwickelte Kombinationen ausgewählter Bakterienstämme, die auf einen bestimmten Anwendungsbereich abgestimmt sind. Auf diese Weise kann ein bakterielles Ungleichgewicht (die Wissenschaft spricht hier auch von einer Dysbiose) reguliert, die Stabilisierung der Darmflora gefördert und die Regeneration der durch Antibiotika angegriffenen Darmschleimhaut gezielt unterstützt werden. Wichtig ist dabei auch, dass nicht nur einzelne Bakterienstämme, sondern die gesamte eingesetzte Bakterienkombination sowie deren Nutzen und positive Effekte durch anerkannte wissenschaftliche Studien belegt und geprüft sind.
Nicht alle Probiotika sind vergleichbar. Es gibt Unterschiede in der Herstellung, Dosierung und vor allem der Zusammensetzung. Patientinnen und Patienten sollten sich hierzu von ihren Ärztinnen und Ärzten sowie in ihrer Apotheke vor Ort beraten lassen.
Hilfe zur Selbsthilfe: Tipps bei Durchfall
Bei Durchfall können einige einfache Maßnahmen helfen, den Magen-Darm-Trakt zu beruhigen und die medikamentöse Therapie gezielt zu unterstützen:
- Viel trinken: 3-4 Liter pro Tag (z.B. stilles Wasser, ungesüßter Kräutertee)
- Elektrolytlösungen aus der Apotheke
- Leichte und fettarme Kost (z.B. Zwieback, gedünstete Karotten)
Bei anhaltenden Beschwerden sollte unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden.
Darmflora - ganz besonders wichtig für die Gesundheit
Im menschlichen Darm befindet sich eine Vielzahl an unterschiedlichen Mikroorganismen. Gemeinsam bilden sie die Darmflora (auch Mikrobiom genannt). Eine gesunde und intakte Darmflora ist von großer Bedeutung für die Gesundheit. Sie ist wichtig für das Immunsystem, weil sie dabei hilft, Krankheitserreger abzuwehren und die körpereigenen Abwehrkräfte zu regulieren. Zudem unterstützt sie die Verdauung, indem sie unverdauliche Bestandteile der Nahrung abbaut und gleichzeitig wichtige Stoffe bildet, die die Darmschleimhaut schützen und stärken. Auch an der Bildung von bestimmten Vitaminen ist sie beteiligt.
Wenn es zu einem Ungleichgewicht (Dysbiose) der Darmflora kommt, können sich schädliche Mikroorganismen stärker vermehren und überhandnehmen. Zu den Auslösern gehören unter anderem einseitige Ernährung, Stress oder Infektionen. Darüber hinaus ist insbesondere die Einnahme von Antibiotika eine der Hauptursachen. Die möglichen Folgen einer gestörten Darmflora können vielfältig sein und sich durch verschiedene Symptome und Beschwerden bemerkbar machen. Dazu gehören insbesondere Blähungen, Durchfall oder Verstopfung. Darüber hinaus geht die Wissenschaft davon aus, dass auch Zusammenhänge mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Stoffwechselstörungen, Allergien und psychischen Beschwerden bestehen. Ist zudem die Darmschleimhaut beeinträchtigt - und somit die Darmbarriere geschwächt - können auch vermehrt schädliche Stoffe in den Körper gelangen. Die Medizin bezeichnet dies als Leaky Gut („löchriger Darm“).
Um die Darmflora zu stärken und das mikrobielle Gleichgewicht wiederherzustellen, wird empfohlen, auf eine abwechslungsreiche Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen zu achten. Dabei können auch fermentierte Lebensmittel wie Joghurt oder Sauerkraut hilfreich sein. Wichtig ist auch die Reduzierung von Stress und ein allgemein gesunder Lebensstil. Besondere Unterstützung erhält die Darmflora durch die Einnahme spezifischer Probiotika - insbesondere bei einer Antibiotikatherapie.
Die Deutsche Gesundheitshilfe klärt auf
Antibiotika sind eine unverzichtbare Waffe im Kampf gegen bakterielle Infektionskrankheiten. Doch bereits seit Jahren ist die Forschung gezwungen, immer wieder neue antibiotische Substanzen zu entwickeln, da zahlreiche der bisherigen Arzneimittel gegen einzelne oder mehrere Bakterien unwirksam geworden sind. Die Wissenschaft spricht hierbei von Resistenzen, die immer dann entstehen können, wenn ein Antibiotikum nicht den Vorschriften gemäß eingenommen oder die Behandlung zu früh beendet wird. Ein Grund hierfür sind Nebenwirkungen, die insbesondere zu unangenehmen Durchfällen führen können.
Dies nimmt die Deutsche Gesundheitshilfe zum Anlass, im Rahmen einer bundesweiten Aufklärungsaktion über dieses Thema zu informieren. Denn - immer mehr Expertinnen und Experten empfehlen, die empfindliche Darmflora während und nach einer Behandlung mit Antibiotika gezielt zu unterstützen.
Ausführliche Informationen
Die neue Broschüre ‚Durchfall durch Antibiotika‘ enthält wichtige Hinweise und praktische Tipps zum Nachlesen. Sie informiert, worauf es bei der Einnahme ankommt, welche Bedeutung die richtigen Darmbakterien für die Gesundheit haben und wie die Verträglichkeit einer Antibiotikatherapie mit Probiotika verbessert werden kann.
Broschüre: Durchfall durch Antibiotika